Ein entführtes Königskind und die Königinnen der Kochtöpfe. Von Atienza nach Miedes de Atienza, 9. Wandertag

Samstag, 10. Juni 2017

Atienza war eine bedeutende Stadt“, hat der Padre Josefino gestern mit vielsagendem Blick bemerkt. „Bedeutender, als man heute vermuten würde…“ Heute hat Atienza gerade mal 450 Einwohner… Leider hat der Padre weiter nichts von seinem Wissen preisgegeben, und so bleibt es mir selber überlassen, in Atienza auf Spurensuche zu gehen. Weiterlesen „Ein entführtes Königskind und die Königinnen der Kochtöpfe. Von Atienza nach Miedes de Atienza, 9. Wandertag“

Umwege und Abwege. Von Sigüenza über Carabías nach Atienza, 8. Wandertag

Freitag, 9. Juni 2017

Noch ganz unausgeschlafen verlasse ich um fünf vor neun die Herberge. Nachts hat es tatsächlich ein Gewitter gegeben. Meine Wäsche ist dennoch trocken geworden auf dem überdachten Balkon. Ich hätte große Lust auf einen Ruhetag. Einen halben wenigstens… gut essen, faulenzen, ein bisschen für mich sorgen und dann einfach gehen, so weit ich komme, und das müssten heute keineswegs unbedingt die 32 Kilometer bis Atienza sein – wozu schleppe ich denn den „Biwaksack“ mit, den ich mir aus zwei dieser dünnen Aluisomatten gebastelt habe? Ich schlafe doch leidenschaftlich gern irgendwo im Freien! Wahrscheinlich würde ich diese Etappe tatsächlich ganz entspannt angehen, wäre da nicht – die Michelle. Die ist natürlich längst unterwegs. Und erwartet mich heute Abend in Atienza. Und darum werde ich heute auch nach Atienza gehen… Aber wenigstens ein ausgiebiges Frühstück muss drin sein! Weiterlesen „Umwege und Abwege. Von Sigüenza über Carabías nach Atienza, 8. Wandertag“

Durchs Tal des „Süßen Flusses“. Von Aragosa nach Sigüenza, 7. Wandertag

Donnerstag, 8. Juni 2017

Zielstrebig trägt die kleine Schnecke ihr schwarzbraun gemustertes Häuschen über den Weg. Ich lasse sie passieren, denn ich habe keine Eile. Es ist noch nicht einmal acht Uhr, und die heutige Etappe bis Sigüenza ist überschaubar, zwanzig Kilometer. Sogar Michelle hat heute ungewöhnlich lang geschlafen! Wir haben zusammen gefrühstückt, Milch und Orangensaft stand in unserem komfortablen Quartier bereit und richtig guten Kaffee konnten wir uns da zubereiten. Die Michelle ist dann trotzdem als Erste aufgebrochen, während ich noch die Küche aufgeräumt habe. Ja, wir verstehen uns gut, gerade auch in diesem Punkt: jede geht allein. Sie ist zielstrebig (wie die Schnecke, die da erstaunlich schnell meinen Weg kreuzt), und ich trödle gern ein wenig herum. Weiterlesen „Durchs Tal des „Süßen Flusses“. Von Aragosa nach Sigüenza, 7. Wandertag“

Von Cifuentes nach Aragosa, 6.Wandertag

Mittwoch, 7. Juni 2017

Draußen, vor den Gitterstäben des Fensterchens über dem Waschbecken, an dem ich mir die Zähne putze, geht die Sonne auf. Sieben Uhr. Richtig früh bin ich heute auf, so früh, dass ich mich sogar von Michelle verabschieden konnte! Ich räume die Decken auf, die unser Nachtlager waren, schalte den Strom ab, sperre die Tür zu und begebe mich zu der Bar „Salmeron“, in der man den Schlüssel abgeben muss und wo man zu dieser unmenschlichen Tageszeit bereits ein Frühstück bekommt.

Der Weg führt noch einmal durch´s Städtchen Cifuentes, an der „Puerta de Santiago“ vorbei, und dann hinaus in die anmutige Landschaft aus Olivenhainen, Getreidefeldern und Tafelbergen unter einem wolkenlosen Himmel. Noch einmal zeigen sich im Zurückblicken die beiden Zwillingstürme der Tetas und des Atomreaktors, und binnen einer Stunde bin ich in Moranchel. Weiterlesen „Von Cifuentes nach Aragosa, 6.Wandertag“

Die Nachtigall singt auch am Tag. Von Viana de Mondéjar nach Cifuentes, 5. Tag

Dienstag, 6. Juni 2017

Manchmal ist der Wurm drin. An diesem Morgen zum Beispiel. Obwohl es gleich hinter Viana auf einem schönen Wanderweg in die Berge geht. Aber es ist noch viel zu kalt, morgens um Acht, und ich bin unleidlich, wie oft, wenn ich ohne Frühstück losmarschiere – und jetzt spinnt meine Kamera. Sie will einfach keine vernünftigen Bilder machen, irgendetwas ist verstellt. Ich sitze auf einem Stein vor den „Tetas de Viana“, klicke im Menü herum und finde den Fehler nicht. Das macht mich ganz kirre. Schon einmal habe ich auf einem Camino meine Kamera ruiniert! Was, wenn das jetzt wieder passiert wäre? Eine schreckliche Vorstellung! Ok, das Handy kann auch Fotos machen, aber nur Schönwetterfotos, kläglich… Weiterlesen „Die Nachtigall singt auch am Tag. Von Viana de Mondéjar nach Cifuentes, 5. Tag“

Stacheldraht und Gastfreundschaft. Von Salmerón nach Viana de Mondéjar, 4. Tag

Montag, 5. Juni 2017

Obwohl Salmerón – laut Wikipedia – gerade mal 170 Einwohner hat und höchstwahrscheinlich nur ein Teil dieser Einwohner tatsächlich das ganze Jahr über hier lebt, können offenbar zwei Bars nebeneinander existieren. Sie haben sich mit ihren Öffnungszeiten arrangiert. Nun sitze ich in der zweiten Bar, „El Cazador“, beim Frühstück.

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Pfingststurm. Von Villaconejos nach Salmerón, 3. Tag

Sonntag, 4. Juni 2017

Nach fünfeinhalb Stunden Schlaf fällt das Aufstehen heute besonders schwer. Die erste Ortschaft, in der ich vielleicht auf einen Kaffee hoffen kann, ist sechzehneinhalb Kilometer entfernt, und bis Salmerón, dem heutigen Ziel, sind´s immerhin gute 28 Kilometer. Heute ist Pfingstsonntag, die Dorfbewohner träumen bestimmt noch alle in ihren Betten! Nur Michelles Bett ist schon wieder leer, erstaunlich, welche Energie diese Frau hat – aber offenbar ist sie eine Lerche, und ich bin eben eine Eule. Weiterlesen „Pfingststurm. Von Villaconejos nach Salmerón, 3. Tag“